Franz Josef Wagner und Alfred Hilsberg: Zwei Legenden der deutschen Medien- und Subkultur sterben

Murat Jähn
Murat Jähn
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Ein Plakat mit einer Person mit kurzen, dunklen Haaren in einem weißen Hemd, mit einem ernsten Gesichtsausdruck und der Aufschrift "Pan: Eine Satirezeitschrift" in fetter, schwarzer Schrift.Murat Jähn

Franz Josef Wagner und Alfred Hilsberg: Zwei Legenden der deutschen Medien- und Subkultur sterben

Franz Josef Wagner, der scharfzüngige Kolumnist und 'Bild'-Poet, ist mit 82 Jahren gestorben. Seine provokanten Texte in der Bild-Zeitung zogen einst ein Millionenpublikum in ihren Bann, gerieten später aber wegen Sensationslust und politischer Tendenzen in die Kritik. Wagners Karriere umfasste Jahrzehnte – vom Reporter zu einer der polarisierendsten Medienstimmen Deutschlands.

Gleichzeitig verstarb mit Alfred Hilsberg eine prägende Figur der Hamburger Underground-Szene im Alter von 77 Jahren. Beide Männer hinterließen deutliche Spuren im deutschen Kulturleben – der eine in der Massenmedienwelt, der andere in subkulturellen Kreisen.

Franz Josef Wagner begann seine Laufbahn als Reporter beim Axel-Springer-Verlag, bevor er mit seiner Bild-Kolumne Wagners Welt bekannt wurde. Von 2001 bis zu seinem Tod 2022 verfasste er kurze, prägnante Texte in Briefform, die oft Debatten auslösten. Sein Stil – direkt, volksnah und kompromisslos – brachte ihm Anhänger ein, verschloss ihm aber auch den Zugang zu führenden Redaktionsposten. Kritiker warfen ihm später vor, mit rechtspopulistischen Tönen zu liebäugeln und Extremismus zu verharmlosen, was in den 2010er-Jahren zu einem schwindenden Einfluss führte.

Jenseits des Journalismus arbeitete Wagner als Ghostwriter für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. Als überzeugter Katholik lehnte er Wunder ab, die nicht allein göttlichen Ursprungs waren. Seine letzte Kolumne, posthum am 7. September 2022 veröffentlicht, richtete sich an Carlo Acutis, eine junge Figur der katholischen Kirche.

In Kulturkreißen wurde Wagner oft mit Unterhaltern wie James Last und Fips Asmussen in einen Topf geworfen – Persönlichkeiten, die die deutsche Populärkultur prägten, aber stets umstritten blieben.

Alfred Hilsberg hingegen schuf sich in Hamburgs Underground eine eigene Nische. Obwohl er Bier und Haschisch ablehnte, bezeichnete er die Bild – Wagners eigene Plattform – einst als das "ultimative bewusstseinserweiternde Drug". Sein Tod mit 77 Jahren markiert das Ende einer Ära für die alternative Szene der Stadt.

Wagners Erbe ist nun mit beiden Seiten seiner Karriere verbunden: dem Höhepunkt seiner Popularität und den Kontroversen, die folgten. Seine Kolumnen, einst Pflichtlektüre, spiegeln einen sich wandelnden Medienkosmos wider, in dem provokative Stimmen zunehmend unter die Lupe genommen werden. Hilsbergs Ableben hingegen schließt ein Kapitel der Hamburger Gegenkultur.

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