Tunnelbau-Pionier Herrenknecht warnt: "Deutschland schläft im Dornröschen-Dilemma"
Ditmar WellerTunnelbau-Pionier Herrenknecht warnt: "Deutschland schläft im Dornröschen-Dilemma"
Martin Herrenknecht, Chef der Herrenknecht AG, warnt in drastischen Worten vor Deutschlands Zukunft
Der Vorstandsvorsitzende des weltweiten Marktführers für Tunnelvortriebsmaschinen wirft dem Land vor, in Bürokratie zu ersticken und seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Seine Kritik kommt zu einer Zeit, in der große Infrastrukturprojekte hierzulande jahrelang auf sich warten lassen, während vergleichbare Vorhaben im Ausland zügig vorankommen.
Die Herrenknecht AG mit Sitz in Schwanau im Ortenaukreis beherrscht den globalen Markt für Tunnelbohrtechnik. Das Unternehmen beschäftigt rund 5.500 Mitarbeiter weltweit und war an prestigeträchtigen europäischen Großprojekten beteiligt – darunter der Gotthard-Basistunnel, der Brenner-Basistunnel und das Bahnprojekt Stuttgart 21.
Herrenknecht beschreibt Deutschland als in einem „Dornröschen-Schlaf“ gefangen, gelähmt von überbordender Regulierungswut. Unter den heutigen Bedingungen, so der Unternehmer, könnte er sein eigenes Unternehmen nicht mehr gründen. Während ein geplanter Logistikstandort in Baden-Württemberg seit dreieinhalb Jahren in der Genehmigungsphase feststeckt, erhielt ein vergleichbares Projekt in Chennai, Indien, bereits nach nur drei Monaten grünes Licht.
Der Firmenchef übt auch grundsätzliche Gesellschaftskritik: Deutschland sei eine „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“. Ohne rasche Kurskorrektur steuere das Land „direkt gegen die Wand“, warnt er.
Herrenknechts Äußerungen spiegeln die wachsende Verärgerung in der deutschen Wirtschaft über bürokratische Hürden wider. Während internationale Konkurrenten Infrastrukturprojekte im Eiltempo umsetzen, verzögern sich heimische Vorhaben in endlosen Genehmigungsverfahren. Die Warnungen des Managers deuten darauf hin: Ohne Reformen droht Deutschland im globalen Wettbewerb um Infrastruktur und Wirtschaftskraft weiter abgehängt zu werden.






