21 March 2026, 00:33

Pforzheimer Apotheker legen für einen Tag die Arbeit nieder – ein radikaler Hilferuf

Apothekeneingang mit einem "Apotheke"-Schild auf der linken Seite, einer Tafel mit Text auf der rechten Seite, Hintergrundobjekten und beleuchteter Dachbeleuchtung.

Pforzheimer Apotheker legen für einen Tag die Arbeit nieder – ein radikaler Hilferuf

Apotheker in Pforzheim und dem Enzkreis gehen mit drastischem Protest an die Öffentlichkeit

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Am 23. März 2026 setzten Apotheker in Pforzheim und dem Enzkreis ein kräftiges Zeichen: Fast alle örtlichen Apotheken blieben für einen Tag geschlossen – ein beispielloser Protest. Rund 30 Betriebe schlossen ihre Türen, während sich die Mitarbeiter vor der Christoph-Apotheke versammelten, um faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Symbolträchtig richteten sie einen kerzenbeleuchteten "Traueraltar" für die über 500 Apotheken ein, die allein 2025 schließen mussten.

Die Organisation des Protests dauerte Monate, denn die Initiatoren mussten nahezu jede Apotheke der Region für die Teilnahme gewinnen. Christian Kraus, eine Schlüsselfigur der Bewegung, rief die Teams dazu auf, sich vor der Christoph-Apotheke zu versammeln – der einzigen, die wegen ihres Notdienstes geöffnet blieb. Die Mitarbeiter arbeiteten im Schichtbetrieb, verteilten Flugblätter und sprachen mit Patienten über die prekäre Lage der Branche.

Andreas Plommer, der leitende Apotheker der Christoph-Filiale, hatte ursprünglich für einen kompletten Streik aller Notdienstapotheken plädiert. Ein vollständiger Ausstand hätte seiner Meinung nach eine deutlichere Botschaft an die Politik gesendet. Stattdessen reduzierte er die Personaldecke – morgens fünf, nachmittags vier Mitarbeiter –, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den Protest zu unterstützen.

Die letzte nennenswerte Gebührenanpassung für Apotheken liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück; 2013 gab es lediglich eine marginale Erhöhung um 25 Cent. Plommer bezeichnete diese Anpassung als "lächerlich" und führte die massenhaften Schließungen auf die chronische Unterfinanzierung zurück. Zwar blieben Notdienstapotheken bundesweit geöffnet, um die Patientenversorgung zu sichern, doch die Organisatoren betonten, dass eine Behandlung im Krankenhaus die Kosten für ambulante Apothekendienstleistungen bei Weitem übersteigt.

Während der Kundgebung trugen die Apotheker schwarze Trauerkleidung und errichteten eine Installation, die an die 500 im Jahr 2025 geschlossenen Apotheken erinnern sollte. Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) unterstützte die Aktion und unterstrich die Notwendigkeit öffentlicher Sichtbarkeit, um Reformen voranzutreiben.

Der Protest machte die finanzielle Notlage deutscher Apotheken deutlich. Mit symbolischen Aktionen lenkten die Organisatoren die Aufmerksamkeit auf die Schließungswelle und veraltete Förderstrukturen. Zwar lief der Notdienst weiter, doch die Demonstration sollte zeigen, wie die Unterfinanzierung den Zugang zu bezahlbarer Gesundheitsversorgung gefährdet. Nun bleibt abzuwarten, ob die Politik auf die Forderungen des LAV und der lokalen Apotheker reagiert.

Quelle