07 June 2026, 06:21

Organspende-Reform: Soll Deutschland 2030 zum Widerspruchsmodell wechseln?

Berliner haben bisher dieses Jahr mehr Organe gespendet

Organspende-Reform: Soll Deutschland 2030 zum Widerspruchsmodell wechseln?

Eine Gruppe von Abgeordneten fordert eine grundlegende Reform des deutschen Organspenderechts. Bis 2030 soll ein Widerspruchsmodell eingeführt werden, bei dem alle Erwachsenen automatisch als Spender gelten – es sei denn, sie lehnen dies ausdrücklich ab. Der Vorschlag dürft im Parlament eine hitzige ethische Debatte auslösen.

Unterdessen zeigen aktuelle Zahlen einen Anstieg der Organspenden in ganz Deutschland. Trotz dieser Steigerung warten jedoch Tausende Patientinnen und Patienten weiter auf lebensrettende Transplantationen.

Derzeit gilt in Deutschland das Zustimmungsmodell: Bürger müssen zu Lebzeiten oder über ihre Angehörigen ausdrücklich ihre Einwilligung zur Organspende erklären. Doch eine überparteiliche Gruppe von Bundestagsabgeordneten argumentiert nun, dass ein Wechsel zum Widerspruchsmodell mehr Menschenleben retten könnte.

Die geplante Reform würde alle volljährigen, einwilligungsfähigen Personen automatisch zu potenziellen Spendern machen. Wer dem widersprechen möchte, müsste seinen Willen offiziell registrieren lassen. Befürworter betonen, dass dieser Schritt den akuten Mangel an Spenderorganen lindern könnte.

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Aktuelle Daten zeigen eine leichte Verbesserung der Spendenbereitschaft: Bundesweit wurden von Januar bis Mai 2026 insgesamt 1.405 Organe gespendet – ein Anstieg gegenüber 1.253 im gleichen Zeitraum des Vorjahres, was einer Steigerung von 12 Prozent entspricht. Allein in Berlin stieg die Zahl der Spenden von 39 auf 73 im gleichen Zeitraum.

Doch die Zahlen bleiben weit hinter dem Bedarf zurück. 2025 erhielten nur 3.150 Patientinnen und Patienten ein Spenderorgan, während rund 8.200 auf der Warteliste blieben. Auch in Berlin spiegelt sich dieser Trend wider: Über 400 Menschen warten in der Hauptstadt auf ein Organ, doch in diesem Jahr wurden bisher weniger als 140 Transplantationen durchgeführt.

Nun wird der Bundestag die ethischen Auswirkungen des Widerspruchsmodells abwägen müssen. Kritiker könnten argumentieren, dass eine vermutete Zustimmung die individuelle Entscheidungsfreiheit untergräbt, während Befürworter darauf bestehen, dass dadurch vermeidbare Todesfälle verhindert werden könnten.

Der Vorstoß für das Widerspruchsmodell kommt zu einer Zeit, in der Deutschland weiterhin mit einem chronischen Organmangel kämpft. Sollte die Reform verabschiedet werden, wäre dies die größte Veränderung im Spenderecht seit Jahrzehnten. Vorerst wird die Debatte darum kreisen, wie medizinische Notwendigkeiten mit persönlichen Freiheitsrechten in Einklang zu bringen sind – während Tausende Patientinnen und Patienten weiter auf ein Spenderorgan warten.

Quelle