Neue Kultursaison im Ruhrgebiet: Frische Ideen und persönliche Geschichten
Ditmar WellerNeue Kultursaison im Ruhrgebiet: Frische Ideen und persönliche Geschichten
Im Ruhrgebiet hat eine neue Kultursaison begonnen – mit frischem Führungspersonal und kreativen Projekten. Thorsten Bihegue übernimmt die Leitung des Jungen Schauspielhauses in Bochum, während die Arbeiten des bulgarischen Fotografen Valery Poshtarov über Vater-Sohn-Beziehungen bald in einer Sonderausgabe eines Magazins zu sehen sein werden. Gleichzeitig prägen lokale Initiativen und persönliche Meilensteine die künstlerische und soziale Landschaft der Region.
Thorsten Bihegue folgt auf Cathrin Rose als Direktor des Jungen Schauspielhauses in Bochum. Seine erste Spielzeit steht unter dem Motto radikaler Mitbestimmung und innerer Neugierde – ein Ansatz, der das Publikum auf neue Weise einbinden soll.
Andernorts reiste der bulgarische Fotograf Valery Poshtarov jahrelang durch Europa, um Väter und erwachsene Söhne zu dokumentieren, die Händchen halten. Seine Bilder erkunden enge Bindungen, generationenübergreifende Spannungen und kulturelle Vielfalt. Zwar gibt es keine Hinweise darauf, dass das Projekt mit einem breiteren Wandel der öffentlichen Wahrnehmung von Männlichkeit zusammenhängt, doch es inspirierte das Magazin bodo zu einer Sonderausgabe am 1. Oktober, die auf Poshtarovs Arbeiten basierende Vater-Sohn-Geschichten präsentiert.
In Gelsenkirchen kehrt die Sängerin und Schauspielerin Larissa Sirah Herlen – bekannt als Lary – für den Eröffnungauftritt der Ruhrtriennale in ihre Heimatstadt zurück. In der ersten Produktion des Festivals übernimmt sie die Hauptrolle, was für die Künstlerin eine Art Heimkehr bedeutet.
Abseits der Bühne führt Thomas Koch seine Veranstaltungsreihe fort, die auf Dialog setzt: Die Teilnehmer sollen einander zuhören und ohne Vermittler ins Gespräch kommen. Sein Ziel ist es, direkte, ungefilterte Austauschformate zwischen Menschen zu fördern.
Auch die kulturelle Geschichte der Region steht im Fokus – etwa mit DortmUnderground 1978–1998, einer Ausstellung und einem Buch, die Dortmunder Punk- und Heavy-Metal-Szenen über zwei Jahrzehnte beleuchten. Gleichzeitig kickt eine Hobbyfußballmannschaft in Castrop-Rauxel seit über 20 Jahren zusammen, zu der auch Podcast-Moderator und TV-Moderator Micky Beisenherz gehört, der mit technischem Können auf dem Platz glänzt.
Auf persönlicher Ebene hat Birgit, die fast vier Jahre ohne feste Wohnung lebte, dank der Unterstützung einer Übernachtungsstelle endlich eine eigene Wohnung bezogen.
Die Herbstsaison im Ruhrgebiet verbindet künstlerischen Aufbruch mit Geschichten aus der Nachbarschaft. Bihegues Leitung im Jungen Schauspielhaus weht frischen Wind in die Kulturszene, während Poshtarovs Fotografie und die bodo-Sonderausgabe familiäre Verbindungen in Europa in den Mittelpunkt rücken. Lokale Projekte – von Kochs Dialogformaten bis zu Birgits Wohnungsmilestone – zeigen, wie lebendig das soziale Engagement in der Region bleibt.






