NDR trennt sich von Moderatorin Julia Ruhs nach Kritik an Klar-Sendung
Murat JähnNDR trennt sich von Moderatorin Julia Ruhs nach Kritik an Klar-Sendung
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat die Moderatorin Julia Ruhs als alleinige Gastgeberin der Reportagereihe Klar abberufen. Die Entscheidung folgt auf jahrelange öffentliche Kritik von Ruhs an Mainstream-Medien und Regierungspolitik. Ihre Tätigkeit beim Bayerischen Rundfunk (BR) bleibt davon unberührt.
Die Journalistin Tanit Koch übernimmt nun die Klar-Folgen für den NDR und ersetzt Ruhs nach nur drei Ausgaben beim Sender.
Julia Ruhs begann ihre Karriere als BR-Freiwillige und stieg innerhalb von drei Jahren mit einer eigenen Sendung in die Bekanntheit auf. Zwischen 2020 und 2022 trat sie häufig auf YouTube und in konservativen Podcasts auf, wo sie offizielle Darstellungen zu Migration und Corona-Maßnahmen hinterfragte. Obwohl sie sich selbst als "mitte-rechts" bezeichnete, entsprachen ihre Positionen oft rechtspopulistischen Alternativmeinungen – einer Partei schloss sie sich jedoch nie an.
Die Trennung des NDR von Ruhs löste eine Debatte aus. Oliver Welke, Moderator der ZDF-heute show, kritisierte den Schritt und argumentierte, Rundfunkanstalten müssten unterschiedliche Meinungen aushalten. In seiner Sendung zeigte er einen Ausschnitt, in dem Ruhs sagte: "Auch einige meiner Freunde haben durchaus rechtsextreme Ansichten." Welke kommentierte später: "Wir müssen alle mehr aushalten können."
Die Komikerin Idil Baydar (bekannt als Jilet Ayse) und ZDF-Satiriker Bosetti verteidigten hingegen die NDR-Entscheidung. Bosetti nannte sie eine Absage an "Populismus und schlechten Journalismus". Ruhs selbst reagierte auf X mit den Worten: "Etwas gemein, aber sehr lustig – die ZDF-'heute show' hat zusammengefasst, was letzte Woche bei der ARD passiert ist."
Alle drei von Ruhs für den NDR moderierten Folgen waren zuvor von der Redaktion abgesegnet worden, bevor der Sender den Vertrag beendete. Trotz der Trennung bleibt sie weiterhin Moderatorin von Klar beim BR.
Der Fall zeigt die Spannungen zwischen redaktionellen Standards und der Unabhängigkeit von Moderator:innen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Während Ruhs beim BR weiterarbeitet, setzt der NDR mit Tanit Koch auf eine neue Besetzung. Die Diskussion um ihre Abberufung spiegelt die größere Debatte über politische Neutralität in den deutschen Medien wider.






