Migrationsforscher Knaus kritisiert Grenzkontrollen als reine Symbolpolitik ohne Wirkung
Ditmar WellerMigrationsforscher Knaus kritisiert Grenzkontrollen als reine Symbolpolitik ohne Wirkung
Ein Jahr nach der Wiedereinführung von Zurückweisungen an den deutschen Binnengrenzen hat der Migrationsforscher Gerald Knaus die Politik als unwirksam und rechtlich fragwürdig kritisiert. Seiner Ansicht nach gehe es der Regierung eher um Symbolpolitik als um eine nachhaltige Steuerung der Migrationsbewegungen. Seine Äußerungen fallen mit einem deutlichen Rückgang der Asylanträge in Deutschland im Vergleich zu den Zahlen von 2024 zusammen.
Die Zurückweisungspraxis war im Mai 2025 unter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) eingeführt worden. Ursprünglich hatte nur die rechtspopulistische AfD solche Maßnahmen bereits 2015 gefordert. Knaus argumentiert, dass die Politik trotz der Bemühungen der Regierung kaum spürbare Auswirkungen auf die Migrationsströme habe.
Laut Knaus liegt der eigentliche Grund für den Rückgang der Asylanträge woanders: Der Zusammenbruch des Regimes von Baschar al-Assad in Syrien im Dezember 2024 führte zu einer Verschiebung der Flüchtlingsbewegungen. Vor 2024 hatten Deutschland und Österreich 80 Prozent aller in der EU geschützten syrischen Flüchtlinge aufgenommen. Nun verzeichnen beide Länder die stärksten Rückgänge bei syrischen Ankünften in der gesamten Union.
Knaus warnt zudem, dass die Zurückweisungen gegen EU-Recht verstoßen. Die aktuelle Vorgehensweise sei weder langfristig tragfähig noch gehe sie die Ursachen von Migration an.
Obwohl der Rückgang der Asylsuchenden die Lage in Deutschland und Österreich entspannt hat, stellt Knaus infrage, ob die Strategie der Regierung nachhaltig ist. Angesichts der rechtlichen Herausforderungen und der begrenzten Wirkung der Zurückweisungen dürfte die Debatte über die Migrationskontrolle weitergehen. Im Mittelpunkt könnte nun stehen, ob symbolische Maßnahmen jemals echte, langfristige Lösungen ersetzen können.






