Mehrfachjobben: Warum immer mehr Mittelschichtangehörige zwei Jobs brauchen, um zu überleben
Murat JähnMehrfachjobben: Warum immer mehr Mittelschichtangehörige zwei Jobs brauchen, um zu überleben
Mehrere Jobs gleichzeitig – für viele Mittelschichtangehörige längst Alltag
Gleichzeitig mehrere Jobs auszuüben, ist für viele Arbeitnehmer aus der Mittelschicht längst zur Normalität geworden. Steigende Lebenshaltungskosten, stagnierende Löhne und wirtschaftliche Unsicherheit zwingen immer mehr Menschen dazu, zwei oder mehr Tätigkeiten zu kombinieren, um über die Runden zu kommen. Eine Autorin hat im vergangenen Jahr zwei Teilzeitstellen in Redaktionen ausgeübt – oft noch ergänzt durch freiberufliche Projekte –, nur um Miete und Grundbedürfnisse finanzieren zu können.
Der Trend zum Mehrfachjobben – also das gleichzeitige Ausüben mehrerer Beschäftigungen – hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Eine Umfrage des Forschungsinstituts Academized aus dem Jahr 2025 ergab, dass mittlerweile jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren mindestens einen Nebenjob hat. Diese Entwicklung geht einher mit einem deutlichen Anstieg von Teilzeitstellen: Seit 2020 ist ihre Zahl um fast 69 Prozent gestiegen, vor allem in Großstädten.
Für die Autorin reichte eine einzige Teilzeitstelle nicht aus, um die explodierenden Mieten in Berlin zu stemmen – diese sind in den letzten zehn Jahren um 69 Prozent gestiegen. Da fest angestellte Vollzeitstellen angesichts der wirtschaftlichen Lage oft unerreichbar sind, blieben nur befristete Verträge als Option. Beide ihrer aktuellen Jobs sind zeitlich begrenzt – ein Abbild der weitverbreiteten Arbeitsplatzunsicherheit.
50 bis 60 Arbeitsstunden pro Woche fordern ihren Tribut: Schlafmangel ist an der Tagesordnung, und das Sozialleben beschränkt sich auf hastige Sprachnachrichten und flüchtige Treffen. Besonders hart trifft es junge Frauen – die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventinnen erreichte Anfang 2026 einen Rekordstand. Da die Löhne kaum die Lebenshaltungskosten decken, bleibt für viele die private Altersvorsorge unerreichbar.
Der Aufstieg des Mehrfachjobbens unterstreicht die finanzielle Belastung, unter der die heutige Arbeitnehmerschaft leidet. Während die Mieten steigen und die Jobsecurity schwindet, flicken immer mehr Menschen ihr Einkommen durch mehrere Tätigkeiten zusammen. Doch von einer Besserung ist vorerst nichts in Sicht.






