Massenrücktritt im bayerischen Mittelstandsverband: Warum die Basis rebelliert
Ditmar WellerMassenrücktritt im bayerischen Mittelstandsverband: Warum die Basis rebelliert
Der gesamte Vorstand des Mittelstandsverbands im bayerischen Landkreis Hof ist zurückgetreten. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Frustration über die Ausrichtung der Organisation und deren Umgang mit zentralen Fragen, die kleine und mittlere Unternehmen betreffen.
Die Vorstandsmitglieder Cornelia und Yvonne Jeschek, Doris Wirth-Narr, Claus Hofmann und Sascha Rödel haben alle ihre Ämter niedergelegt. Als Hauptgrund für ihren Rücktritt nannten sie den mangelnden Einfluss innerhalb des Mittelstandsverbands.
Ihre Kritik beschränkte sich jedoch nicht auf die lokale Führungsebene. Auch auf regionaler und Landesebene habe das Engagement für die Belange des Mittelstands nachgelassen. Die Unterzeichner äußerten besondere Unzufriedenheit mit der Rentenpolitik, übermäßiger Bürokratie, hohen Sozialabgaben und steigenden Energiekosten.
Demokratische Prozesse innerhalb der Organisation seien zunehmend ausgehöhlt worden. Entscheidungen schienen vorweggenommen, sodass sich Unternehmer nicht mehr vertreten fühlten. Auch Michael Kretzer, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des Mittelstandsverbands in Oberfranken und Leiter der Kreisgruppe Hof, trat sowohl aus dem Mittelstandsverband als auch aus der CSU aus. Er kritisierte, die CSU habe den Kontakt zu ihren Mitgliedern und den wirtschaftlichen Herausforderungen der Unternehmen verloren.
Die Rücktritte unterstreichen eine tiefe Kluft zwischen der Führung des Mittelstandsverbands und seiner Basis. Unternehmer stellen zunehmend infrage, ob ihre Interessen auf irgendeiner Ebene der Organisation ausreichend berücksichtigt werden.
