24 March 2026, 06:29

Mainzer Dreigroschenoper glänzt mit scharfer Satire und spektakulärem Lichterspiel

Schwarzes und weißes Foto von drei Menschen auf einer Bühne, wobei einer ein Kostüm trägt und einen Stock hält, ein anderer auf einer Treppe sitzt und unten ein Text mit "Der Phantom der Oper" steht.

Mainzer Dreigroschenoper glänzt mit scharfer Satire und spektakulärem Lichterspiel

Das Staatstheater Mainz inszeniert Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper mit einer mutigen Neuinterpretation

Am 27. September brachte das Staatstheater Mainz Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper mit einer kühnen neuen Produktion auf die Bühne. Der Abend wurde von einem spektakulären Lichterspiel während der Mainzer Lichter begleitet, bei dem die Fassade des Theaters mit dem Titel des Stücks und ikonischen Zitaten erstrahlte. Regisseur Jan Neumann verwebt in seiner Interpretation Brechts scharfe Kapitalismuskritik direkt in die Aufführung – und nimmt dabei spielerisch die Widersprüche im eigenen Schaffen des Dramatikers auf die Schippe.

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Im Mittelpunkt steht Macheath, besser bekannt als "Mackie Messer", ein berüchtigter Verbrecher aus Londons Unterwelt, verkörpert von Henner Momann. Seine Verbindungen zu Polizeichef Tiger Brown (gespielt von Thomas Kästel) verleihen der Handlung eine düstere Komik. Gleichzeitig führt Jonathan Peachum, dargestellt von Holger Kraft, ein skrupelloses Bettlerimperium und stellt sich gegen die Hochzeit seiner Tochter Polly mit Mackie.

Besonders glänzt Anika Baumann, die in mehreren Rollen mit perfektem komischem Timing und blitzschnellen Kostümwechseln überzeugt. Ihre Auftritte verleihen der ohnehin schon von Satire durchdrungenen Inszenierung zusätzliche Energie. Ein Höhepunkt ist der Moment, in dem eine Bettlerin Die Moritat von Mackie Messer in strahlendem Sopran anstimmt und das Publikum überrascht.

Neumanns Version setzt auf absurde Überzeichnung und verwandelt die Figuren in karikaturhafte Typen. Die Schauspieler brechen immer wieder die vierte Wand, verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Kommentar. Das Mainzer Ensemble macht sogar vor sich selbst nicht halt und fügt so eine weitere Ebene selbstironischer Komik hinzu.

Die Dreigroschenoper zählt zu den bedeutendsten Werken des 20. Jahrhunderts, mit unvergesslichen Songs wie Die Moritat von Mackie Messer und Seeräuber-Jenny. Diese Produktion wird 2025 noch viermal zu sehen sein, mit Ticketpreisen zwischen 17,50 und 45,50 Euro – inklusive eines Getränkeguthabens.

Die Inszenierung des Staatstheaters Mainz verbindet beißende Satire mit verspieltem Selbstbezug. Über die vier angekündigten Vorstellungen 2025 hinaus sind keine weiteren Termine geplant. Die Produktion hinterlässt beim Publikum einen frischen Blick auf Brechts zeitlose Gesellschafts- und Kapitalismuskritik.

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