Gericht stoppt Spiegel-Berichte zu Christian Ulmen und Deepfake-Skandal
Nathalie BauerGericht stoppt Spiegel-Berichte zu Christian Ulmen und Deepfake-Skandal
Ein deutsches Gericht hat gegen den Spiegel eine einstweilige Verfügung im Zusammenhang mit dem Deepfake-Skandal um den Schauspieler Christian Ulmen erlassen. Das Hanseatische Oberlandesgericht entschied, dass das Magazin bestimmte Vorwürfe sowie private E-Mails im Zusammenhang mit dem Fall nicht länger veröffentlichen darf.
Ulmen hatte bereits im April vor dem Landgericht Hamburg Klage gegen den Spiegel eingereicht. Im Mai hatte das erstinstanzliche Gericht die Berichterstattung des Magazins über die Deepfake-Vorwürfe noch für zulässig erklärt. Nun jedoch hat das Oberlandesgericht dem Verlag untersagt, die Behauptung aufzustellen, Ulmen habe mit Hilfe von KI gefälschte Pornografie mit seiner Ex-Frau, der Schauspielerin Collien Fernandes, erstellt und verbreitet.
Das Gericht sah keine ausreichenden Beweise für diese Vorwürfe. Zudem verbot es die Veröffentlichung von Zitaten aus einer 50 Jahre alten E-Mail, die Ulmen an seinen Verteidiger geschickt hatte, und stufte diese als Teil seines „höchstpersönlichen Lebensbereichs“ mit besonders hohem Schutzbedürfnis ein.
Fernandes wirft Ulmen vor, die KI-Videos produziert und unter ihrem Namen gefälschte Social-Media-Profile angelegt zu haben. Sie behauptet zudem, er habe sich in Telefonaten als sie ausgegeben und mit anderen Männern sexuelle Gespräche geführt. Zwar dürfen diese Anschuldigungen weiterhin berichtet werden, doch darf das Magazin die konkreten Deepfake-Vorwürfe nicht mehr wiederholen.
Unabhängig davon ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam gegen Ulmen wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt. Seine Anwälte argumentieren unterdessen, die ursprüngliche Berichterstattung des Spiegels habe zu einer überzogenen Medienaufmerksamkeit und einer einseitigen öffentlichen Debatte geführt.
Das Urteil beschränkt den Spiegel darin, bestimmte Behauptungen und private Korrespondenz zu veröffentlichen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat inzwischen Pläne angekündigt, die Gesetze gegen nicht einvernehmliche sexualisierte Deepfakes und digitale sexualisierte Gewalt zu verschärfen. Der Fall bleibt weiterhin Gegenstand juristischer und öffentlicher Auseinandersetzungen.
