CDU und Grüne starten zähe Sondierungsgespräche mit tiefen Gräben in Stuttgart
Murat JähnCDU und Grüne starten zähe Sondierungsgespräche mit tiefen Gräben in Stuttgart
Sondierungsgespräche zwischen CDU und Grünen in Baden-Württemberg in Stuttgart gestartet
Zwei Wochen nach der Wahl haben in Stuttgart die explorativen Gespräche zwischen CDU und Grünen begonnen – die Stimmung bleibt angespannt. Beide Parteien trafen getrennt voneinander am Verhandlungsort in der Fußgängerzone ein. Seit dem 24. März laufen die Verhandlungen, doch bereits jetzt zeigen sich tiefe Gräben.
Die CDU geht von Anfang an mit harter Linie in die Gespräche. Parteivertreter verweisen immer wieder auf einen Vertrauensverlust während des Wahlkampfs und nutzen dies, um schärfere Bedingungen durchzusetzen. Zu ihren Forderungen gehört ein Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten zur Halbzeit der Legislaturperiode – obwohl beide Parteien nach der Wahl am 8. März jeweils 56 Sitze halten.
Noch vor Beginn der Gespräche hatte Innenminister Thomas Strobl mit gezielten Äußerungen gegenüber Journalisten für Aufsehen gesorgt. Er unterschied zwischen dem, was er als "Kretschmann-Grüne" und "Özdemir-Grüne" bezeichnete, und deutete an, letztere seien weniger verlässlich – was die ohnehin belasteten Beziehungen weiter strapazierte. Der Verhandlungsführer der CDU, Manuel Hagel, rügte Strobl später für seine Aussagen.
Die Grünen hingegen sorgten für Brezeln mit Butter und Getränke – eine kleine Geste in einer ansonsten eisigen Atmosphäre. Hinter den Kulissen beklagen CDU-Vertreter eine angebliche Schmierenkampagne gegen ihren Wahlkampf. Auch Hagel selbst war in sozialen Medien mit Beleidigungen und drohenden Nachrichten konfrontiert, wenn auch ohne konkrete persönliche Bedrohungen.
Am Verhandlungstisch pocht die CDU auf mehr Ressorts als die Grünen und strebt damit ein pattstehendes Kabinett an, in dem der Ministerpräsident im Zweifel die entscheidende Stimme hätte. Beobachter sehen darin eine Taktik der Union, die ihre Rolle als "geschädigte Seite" nutzt, um die Kosten der Koalitionsverhandlungen – sowohl in öffentlichen Statements als auch in internen Gesprächen – in die Höhe zu treiben.
Beide Seiten brachten eigene Personalvorschläge für künftige Kabinettsposten mit in die Gespräche, doch das Misstrauen sitzt tief. Die Strategie der CDU, alte Konflikte aufzuwärmen, scheint darauf abzuzielen, die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Der Weg zu einer stabilen Koalition bleibt vorerst ungewiss.






