Apothekenreform in der Kritik: Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben
Piotr DietzApothekenreform in der Kritik: Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben
Politiker und Apothekerverbände fordern dringende Nachbesserungen bei der deutschen Apothekenreform. Sie warnen, dass ohne zentrale Anpassungen viele lokale Apotheken um ihr Überleben kämpfen könnten. Im Mittelpunkt der Forderungen steht eine Erhöhung der Festbetragsvergütung auf 9,50 Euro – ein Betrag, der ursprünglich im Koalitionsvertrag vereinbart worden war.
Kritiker verweisen zudem auf den wachsenden Wettbewerb durch Online-Händler und die finanzielle Belastung traditioneller Apotheken. Befürchtet wird, dass ohne Gegenmaßnahmen die Arzneimittelversorgung in ländlichen und städtischen Regionen leiden könnte.
Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, unterstützt die Forderung der Apotheken nach einer höheren Festbetragsvergütung. Die aktuellen 8,35 Euro reichen seiner Meinung nach nicht aus, um die Kosten zu decken und die zukünftige Arzneimittelversorgung zu sichern. Seidenath spricht sich zudem für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten aus – eine Regelung, die in mehreren anderen EU-Ländern bereits gilt.
Die Apothekerin und Mitglied im bayerischen Gesundheitsausschuss, Carolina Trautner, betont die Notwendigkeit einer stabilen Arzneimittelversorgung. Sie lehnt Pläne ab, nach denen Pharmazeutisch-technische Assistenten Apotheken eigenständig führen dürfen, und warnt vor einer Abschwächung der Qualitätsstandards. Beide Politiker sind sich einig, dass Online-Apotheken einen unlauteren Wettbewerb schaffen und damit den Fortbestand lokaler Filialen gefährden.
Bernd Stocker, Regionalverkaufsleiter beim Pharmagroßhändler Noweda, verweist auf die finanziellen Schwierigkeiten vieler Apotheken. Gleichzeitig zeige die jüngere Generation kaum Interesse daran, diese Betriebe zu übernehmen – ein Problem, das langfristige Schließungen befürchten lässt. Die Branche besteht darauf, dass ohne eine Erhöhung der Festbeträge und strengere Regeln für den Online-Handel der Niedergang lokaler Apotheken weiter voranschreiten wird.
Seidenath kritisiert zudem die unterschiedlichen Vorgaben für Großhändler, stationäre Apotheken und Online-Anbieter bei der Arzneimittelabgabe. Er fordert einheitliche Standards, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern.
Der Reformdruck wächst, während die Apotheken mit steigenden Kosten und der Konkurrenz durch digitale Händler zu kämpfen haben. Die Erhöhung der Festbetragsvergütung auf 9,50 Euro bleibt die zentrale Forderung, flankiert von schärferen Kontrollen für den Online-Verkauf. Ohne diese Änderungen, so die Warnung von Branchenvertretern, drohen weniger lokale Apotheken und eine verschlechterte Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten.






