13 June 2026, 16:16

Angélica Liddells radikale Performance über Mishimas Tod begeistert Wien

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells radikale Performance über Mishimas Tod begeistert Wien

Angélica Liddell präsentiert packende Uraufführung bei den Wiener Festwochen

Unter dem Titel „Seppuku: Mishimas Beerdigung oder die Lust am Sterben“ hat Angélica Liddell eine beeindruckende neue Performance bei den Wiener Festwochen uraufgeführt. Das Stück befasst sich mit dem Leben und Tod von Menschen, die sich selbst das Leben nahmen – im Mittelpunkt steht der japanische Schriftsteller Yukio Mishima. Liddell verbindet dabei Elemente des Nō-Theaters mit ihrem eigenen, intensiven Performance-Stil.

Die Inspiration für die Arbeit entspringt einer persönlichen Erfahrung: Am 7. Januar 2024 wurde Liddell in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Dieses Erlebnis prägte ihre Auseinandersetzung mit Tod und Leid in der Performance nachhaltig.

In der Aufführung inszeniert Liddell Mishimas rituellen Selbstmord von 1970 – ein Thema, das er bereits 1966 in einem eigenen Kurzfilm verarbeitet hatte. Während der Vorstellung lässt sie sich gemeinsam mit einer weiteren Performerin Blut abnehmen, das auf der Bühne als Teil des Rituals vermischt wird. Die zweistündige Produktion vereint ekstatische Momente, schwarzen Humor und rohe Körperlichkeit, etwa im Umgang mit rohem Fleisch.

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Den Höhepunkt bildet Liddells leidenschaftliche Verteidigung des Suizids. Zudem trägt sie Kleidungsstücke von Fremden, deren Todesgeschichten sie verkörpert, und versetzt sich so in ihre letzten Augenblicke.

Die Performance verwebt Mishimas Schicksal mit dem Leid anderer, die sich das Leben nahmen. Mit drastischen Bildern und persönlicher Verbundenheit lotet sie die Thematik des Freitods aus. Die Uraufführung markiert Liddells jüngste künstlerische Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und menschlichem Schmerz – in ihrem unverwechselbaren, radikalen Stil.

Quelle