23 March 2026, 22:30

Sigmaringer Krankenhaus stellt ambulante Schrittmacher-Behandlung ein – Patienten bleiben auf der Strecke

Krankenhauszimmer mit medizinischen Monitoren, Equipment-Ständern und einem Fenster mit einem Vorhang auf der linken Seite, das einen modernen und sterilen Eindruck vermittelt.

Sigmaringer Krankenhaus stellt ambulante Schrittmacher-Behandlung ein – Patienten bleiben auf der Strecke

Wichtige ambulante Versorgung im Sigmaringer Krankenhaus endet nach Weggang eines Facharztes

Mit dem Abgang des Kardiologen Jan Prillinger endet eine zentrale ambulante Leistung im Krankenhaus Sigmaringen. Prillinger, der die Betreuung von Patienten mit Schrittmachern und Defibrillatoren verantwortete, wechselt zum 1. Oktober in die Gemeinschaftspraxis Hanfertal. Das Krankenhaus bestätigte, dass der Service nicht wiederaufgenommen wird – für die Betroffenen fällt damit diese Behandlungsmöglichkeit weg.

Deutsche Krankenhäuser stehen unter zunehmendem Druck, ihr ambulantes Angebot auszubauen, doch finanzielle und regulatorische Hürden erschweren dies. Viele Häuser kämpfen bereits mit Defiziten, und der Rückgang stationärer Behandlungen belastet die Budgets zusätzlich.

Prillingers Abschied markiert das Ende einer langjährigen klinikinternen Versorgung für Schrittmacher- und Defibrillator-Patienten. Seine Tätigkeit erforderte eine Sondergenehmigung, die sogenannte Ermächtigung, ausgestellt vom Zulassungsausschuss. Solche Genehmigungen ermöglichen es Krankenhausärzten, ambulante Leistungen anzubieten, wenn Eingriffe oder Geräte für niedergelassene Praxen zu komplex sind.

Das Krankenhaus hatte derartige Services in den Bereichen Kardiologie, Urologie, Gastroenterologie, Gynäkologie, Chirurgie und Onkologie vorgehalten. Seit Februar können jedoch gesetzlich versicherte Krebspatienten dort keine ambulante Behandlung mehr erhalten. Der Grund: Nach dem Weggang des Chefarztes für Onkologie sprang das Haus mit geliehenen Fachärzten ein – diese verfügten jedoch nicht über die notwendigen persönlichen Ermächtigungen.

Ambulante Behandlungen in Krankenhäusern sind an strenge Auflagen gebunden. Die Genehmigungen sind an einzelne Ärzte geknüpft, nicht an die Einrichtung selbst. Scheidet ein Mediziner aus, endet oft auch der Service. Das System soll sicherstellen, dass ambulante Versorgung vorrangig in den Händen niedergelassener Ärzte bleibt – Krankenhäuser springen nur in Ausnahmefällen ein.

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Die finanzielle Situation verschärft die Probleme. Ambulante Behandlungen sind für Kliniken weniger lukrativ als stationäre, da dieselben Räume, Geräte und Personalkapazitäten genutzt werden, die Vergütung aber niedriger ausfällt. Bereits jetzt arbeiten mehr als zwei Drittel der deutschen Krankenhäuser defizitär – der politische Druck zum Ausbau ambulanter Angebote, ohne zusätzliche Landesmittel, treibt viele an den Rand der Belastbarkeit.

Die Gesundheitspolitik fördert die Verlagerung in den ambulanten Bereich, um Kosten zu sparen. Die SRH-Kliniken rechnen mit steigender Nachfrage, doch das aktuelle System erschwert die Anpassung. Ohne grundlegende Reformen könnten Versorgungslücken weiter wachsen, wenn Fachkräfte zwischen Positionen wechseln.

Die Schließung der Sigmaringer Schrittmacher- und Defibrillator-Sprechstunde zeigt, wie fragil die Krankenhausambulanzen sind. Patienten verlieren Optionen, während die Kliniken mit finanziellen und bürokratischen Zwängen ringen. Ohne Änderungen bei der Finanzierung oder den Genehmigungsregeln könnten solche Versorgungsengpässe in ganz Deutschland zur Regel werden.

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