Merz rät zu 50 Euro monatlich für die Altersvorsorge – doch viele halten das für unrealistisch
Murat JähnMerz rät zu 50 Euro monatlich für die Altersvorsorge – doch viele halten das für unrealistisch
Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Deutschen vorgeschlagen, monatlich 50 Euro für die Altersvorsorge zurückzulegen. Die Empfehlung richtete sich vor allem an jüngere Arbeitnehmer, da die gesetzliche Rente derzeit nur 48 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens abdeckt. Kritiker werfen dem Plan jedoch vor, die finanziellen Nöte vieler Haushalte zu ignorieren.
Merz' Vorschlag basiert auf der Annahme langfristiger Sparanlagen mit einer jährlichen Rendite von 6 Prozent. Bei einer Sparzeit von 40 Jahren könnten aus 50 Euro monatlich vor Steuern und Inflation etwa 79.365 Euro werden. Um einen sechsstelligen Betrag zu erreichen, müsste man laut dem Renditerechner von Finanztip jedoch 45 Jahre lang einzahlen.
Viele Leser lehnten die Idee als realitätsfremd ab. Sie wiesen darauf hin, dass 50 Euro im Monat für Haushalte, die bereits am Existenzminimum leben, nicht leistbar seien. Michaela Engelmeier vom Sozialverband SoVD bezeichnete den Rat als "weltfremd". Timo Halbe von Finanztip empfahl stattdessen, 15 Prozent des Nettoeinkommens zu sparen – ein Ziel, das für Geringverdiener kaum erreichbar ist.
Die Debatte kommt zu einer Zeit, in der das Vertrauen in das gesetzliche Rentensystem schwindet. Laut dem Altersvorsorgebericht 2025 zweifeln 83 Prozent der Deutschen an dessen langfristiger Stabilität. Die durchschnittliche gesetzliche Rente lag 2023 bei 1.835,55 Euro brutto pro Monat – basierend auf 45 Beitragsjahren mit durchschnittlichem Einkommen. Experten argumentieren, dass ohne höhere Löhne oder Rentereformen allein durch Sparen die Versorgungslücke nicht geschlossen werden kann.
Merz' 50-Euro-Plan stößt auf Skepsis, da die angenommenen Renditen unrealistisch sind und Inflationsrisiken bestehen. Für Menschen in prekären Verhältnissen bietet der Rat kaum Entlastung. Die Diskussion zeigt, wie dringend Lösungen für höhere Einkommen, eine nachhaltige Rentenpolitik und strukturelle Reformen benötigt werden.