23 March 2026, 04:22

Kratzers provokante Opern-Premiere in Hamburg spaltet und begeistert

Ein Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" aufgeschlagen auf einer Seite mit Text und einem Logo.

Kratzers provokante Opern-Premiere in Hamburg spaltet und begeistert

Tobias Kratzer wagt einen kühnen Einstand als neuer Intendant der Hamburger Staatsoper

Mit seiner Inszenierung von Das Paradies und die Peri verbindet Kratzer Robert Schumanns Oratorium mit drastischen modernen Themen. Die Premiere löste sowohl begeisterten Jubel als auch vereinzelte Buhrufe aus, endete dann aber in stehenden Ovationen.

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Kratzer deutet Schumanns Werk radikal neu – durch eine zeitgenössische Brille. Die Pest-Szenen der Oper spiegeln aktuelle Pandemie-Maßnahmen wider: Ein unter Quarantäne gestelltes Paar stirbt gemeinsam auf der Bühne. Der sterbende Jüngling, traditionell eine neutrale Figur, erscheint hier als schwarzer Mann, der sich einem weißen Anführer widersetzt – eine klare Anspielung auf rassistische Konflikte.

Der Regisseur bricht immer wieder die vierte Wand. Kameras schwenken über das Publikum und ziehen es ins Geschehen hinein, während die Sängerin Vera-Lotte Boecker als Peri sogar in die Zuschauerreihen steigt, um einen weinenden Mann zu trösten. Diese Szene steht symbolisch für Empathie als Schlüssel zum Paradies.

Krieg bricht auf der Bühne aus, mit Laien als Kämpfer:innen. Eine brutale Mordszene, übergossen mit Bühnensblut, konfrontiert das Publikum mit kollektiver Schuld. Der dritte Akt lenkt den Fokus auf die Klimakrise und verknüpft Schumanns Musik des 19. Jahrhunderts mit drängenden ökologischen Mahnungen.

Kratzers Pläne für das Opernhaus gehen über diese Produktion hinaus. Geplant sind Monster's Paradise sowie eine neu interpretierte Frauenliebe und -leben, dazu Abende für neues Musiktheater. Unter der musikalischen Leitung von Omer Meir Wellber wird der Chor aktiv einbezogen – ein weiterer Baustein des immersiven Ansatzes.

Die Premiere spaltete zunächst die Meinungen: Einige Buhrufe gab es für die provokante Inszenierung. Doch beim letzten Vorhang brandete begeisterter Applaus auf. Kratzers Vision – die Verbindung von klassischem Oratorium mit Themen wie Rassismus, Klimakollaps und gemeinsamer Verantwortung – setzt einen mutigen Akzent für seine Amtszeit in Hamburg.

Quelle