«Kein Körper passt» feiert rauschende Bühnenpremiere in der Vaganten Bühne Berlin
Nathalie Bauer«Kein Körper passt» feiert rauschende Bühnenpremiere in der Vaganten Bühne Berlin
Die Bühnenadaption von Kein Körper passt feiert Premiere in Berlins Vaganten Bühne
Am Dienstag erlebte die Bühnenfassung von Kein Körper passt ihre Uraufführung in der ausverkauften Vaganten Bühne in Berlin. Die preisgekrönte Romanvorlage von Kim de l'Horizon wurde hier zu einer packenden Inszenierung über Identität, Herkunft und das Gewicht unausgesprochener Familiengeschichte. Die Produktion setzt ein mutiges Zeichen – sie verwandelt Schweigen in Selbstfindung.
Kim de l'Horizons Debütroman Kein Körper passt gewann 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis. Die Geschichte handelt von Kim, einer genderfluiden Erzählerin, die sich gegen starre Identitätszuschreibungen auflehnt. Ihr Körper entzieht sich binären Kategorien, doch gleichzeitig fühlt Kim sich gedrängt, sich in Rollen zu pressen, die nie wirklich passen.
Als Kims Großmutter an Demenz erkrankt, beginnt eine Reise in die mütterliche Vergangenheit. Dabei stößt Kim auf transgenerationale Traumata, die tief in den scheinbar idyllischen Schweizer Vorstadtwurzeln der Familie vergraben liegen. Ein Blutbuchenbaum, gepflanzt vom Urgroßvater, wird zum Refugium – ein lebendiger Anker der Herkunft und des Haltes.
Auf der Bühne verkörpern drei Schauspieler:innen Kims Geschichte: Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger. Das Bühnenbild greift die Themen des Romans auf – zerrissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln. Sie symbolisieren die erstickenden Erwartungen, die Kim abzuschütteln versucht.
Die Adaption durchbricht das Schweigen vergangener Generationen. Sie verwandelt Scham in einen Weg zur Selbstakzeptanz und spiegelt Kims Kampf wider, ihre fluide Identität zurückzuerobern.
Die Premiere in der Vaganten Bühne markiert einen kraftvollen Wandel – vom verborgenen Schmerz zur offenen Ausdrucksform. Kims Geschichte, nun lebendig aufgeführt, fordert das Publikum heraus, sich mit den Erblasten des Schweigens auseinanderzusetzen. Die Inszenierung ist zugleich eine persönliche Abrechnung und ein Appell für mehr Akzeptanz.






