Ex-Ministerpräsident fordert Ende der AfD-"Brandmauer" – warum die Strategie scheitert
Ditmar WellerEx-Ministerpräsident fordert Ende der AfD-"Brandmauer" – warum die Strategie scheitert
Peter Müller, ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes und Ex-Richter am Bundesverfassungsgericht, hat dazu aufgerufen, die Debatte über die "Brandmauer" gegen die rechtspopulistische AfD zu beenden. In einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung argumentierte er, dass die Strategie der Ausgrenzung der Partei in der Praxis bereits an Kraft verloren habe.
Müller verwies darauf, dass etablierte Parteien – darunter CDU und SPD – im Parlament wiederholt gemeinsam mit der AfD abgestimmt hätten. Als Beispiel nannte er Rheinland-Pfalz, wo beide Parteien versucht hätten, die Hürden für die Einsetzung von Untersuchungsausschüssen anzuheben – ein offenkundiger Versuch, der AfD die Initiierung solcher Verfahren zu erschweren. Seiner Ansicht nach halte die "Brandmauer" im politischen Alltag nicht mehr stand.
Gleichzeitig warnte er, dass die anhaltenden Diskussionen über ein mögliches Parteiverbot der AfD dieser nur nützten, indem sie sich als Opfer inszenieren könne. Ein Erfolg eines solchen Verbotsverfahrens sei zudem keineswegs sicher. Zwar lehnte Müller formelle Koalitionen mit der zunehmend radikalisierten AfD ab, doch forderte er die demokratischen Parteien auf, die Gruppe in der parlamentarischen Arbeit nicht länger an den Rand zu drängen.
In seinem Beitrag stellte Müller den Umgang mit der AfD den jüngsten Niederlagen rechtspopulistischer Figuren in Europa gegenüber. So hätten etwa Viktor Orbán in Ungarn und Geert Wilders in den Niederlanden an Einfluss verloren, weil ihre Gegner sich auf die tatsächlichen Sorgen der Wähler konzentriert hätten. Erfolgsversprechende Kampagnen, so Müller, setzten auf die Lösung konkreter Probleme statt auf ideologische Grabenkämpfe.
Müllers Eingreifen verlagert die Diskussion weg von der Ausgrenzung hin zu einem pragmatischen Umgang mit der parlamentarischen Präsenz der AfD. Sein Plädoyer zielt auf realpolitische Lösungen ab – nicht auf symbolischen Widerstand. Die Debatte über die Rolle der Partei, so seine Forderung, müsse nun über pauschale Ablehnung hinauswachsen.






