Boris Palmer lehnt Kabinettsposten ab – bleibt Tübinger Oberbürgermeister
Nathalie BauerBoris Palmer lehnt Kabinettsposten ab – bleibt Tübinger Oberbürgermeister
Tübingens parteiloser Oberbürgermeister Boris Palmer hat ein Kabinettsposten-Angebot von Cem Özdemir abgelehnt. Die Entscheidung fällt nach Gesprächen zwischen Özdemir, der Winfried Kretschmann als Landesvorsitzender nachfolgen soll, und Palmer während des Wahlkampfs. Trotz früherer politischer Verbindungen zieht Palmer es nun vor, in seinem aktuellen Amt zu bleiben.
Palmer und Özdemir hatten Anfang dieses Jahres über eine mögliche Regierungsrolle gesprochen. Die Gespräche folgten Palmers öffentlicher Unterstützung für Özdemir im Landtagswahlkampf. Nach sorgfältiger Abwägung entschied sich Palmer jedoch dafür, in Tübingen zu bleiben, statt in das Kabinett einzutreten.
Seit seinem Austritt aus den Grünen vor etwa drei Jahren pflegt Palmer weiterhin Kontakte zur pragmatischen Realos-Fraktion der Partei. Seine jüngste Politik zeigt jedoch eine strengere Ausrichtung. So setzte er sich für Videoüberwachung am Europaplatz ein und installierte sechs Kameras, indem er die Rechtsgrundlage von Polizeirecht auf Datenschutzbestimmungen verlagerte. Zur Finanzierung des Projekts verlegte er bis zu 70.000 Euro aus freien Mitteln und umging damit die Haushaltsgrenzen des Stadtrats.
Palmers Fokus liegt nun klar auf der kommunalen Politik. Er hat deutlich gemacht, dass er sein aktuelles Amt nicht aufgeben wird – trotz des Kabinettsangebots.
Mit der Ablehnung des Postens wird Palmer weiterhin die Politik Tübingens prägen. Sein Sicherheitsansatz, einschließlich des ausgeweiteten Überwachungssystems, deutet auf eine autoritärere Ausrichtung hin. Vorerst bleibt seine politische Zukunft mit der Stadt verbunden und nicht mit einer Führungsrolle auf Landesebene.