Antifeministische Angriffe: Wie Gleichstellungsarbeit in Deutschland unter Druck gerät
Ditmar WellerAntifeministische Angriffe: Wie Gleichstellungsarbeit in Deutschland unter Druck gerät
Antifeminismus wächst in Deutschland als organisierte politische Bewegung gegen Frauen- und queere Rechte
In jüngster Zeit nehmen Angriffe auf Initiativen für Gleichberechtigung zu – von Vandalismus über Drohungen bis hin zu finanziellen Risiken. Selbst staatlich unterstützte Kampagnen sehen sich mit Gegenwind konfrontiert.
2024 verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle, im Schnitt zehn pro Woche. Besonders betroffen sind die orangen Bänke der UN-Kampagne Orange the World gegen geschlechtsspezifische Gewalt: In Osnabrück wurde eine mit Graffiti beschmiert, in Wiesbaden eine gestohlen. In Annweiler (Rheinland-Pfalz) veränderte jemand den Aufdruck der Bank, um Gewalt gegen Frauen zu verherrlichen.
Eine Umfrage aus dem Jahr 2026 zeigt: 63 Prozent der Gleichstellungsbeauftragten erlebten antifeministische Angriffe auf ihre Arbeit, 40 Prozent berichteten von mehreren Vorfällen innerhalb von zwei Jahren. Fünf Prozent erhielten explizite Drohungen, darunter Todesdrohungen. Viele arbeiten allein in ihren Behörden und werden gezielt unter Druck gesetzt – etwa durch eine Flut von Anfragen in Wahlkampfzeiten, um sie zu zermürben.
Als Reaktion bilden die Beauftragten Netzwerke und setzen auf eine sachliche, professionelle Haltung. Doch die Unterstützung schwindet. Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) sagte kürzlich ihre Teilnahme am Kongress des Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) ab. Ihre geplante Umstrukturierung könnte zudem die Finanzierung von Gleichstellungsprogrammen kürzen.
Die wachsende Bewegung zwingt die Beauftragten, sich mit Vandalismus, offener Feindseligkeit und Haushaltskürzungen auseinanderzusetzen. Manche beschreiben eine systematische Zermürbungstaktik, die sie aus ihren Positionen drängen soll.
Die Zunahme der Angriffe fällt mit einer zunehmenden Organisierung des Antifeminismus zusammen. Gleichstellungsbeauftragte setzen nun auf kollektive Strategien, um der Feindseligkeit zu begegnen. Ohne stärkere Rückendeckung steht jedoch ihre Arbeit – und die von ihnen unterstützten Initiativen – vor einer ungewissen Zukunft.






